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Im Reich der Klänge. Oder: Nicht der Ton, sondern der Klang macht die Musik.

Die Partitur einer Beethoven-Symphonie kann als Textfile in wenigen Kilobyte abgespeichert werden. Der Rest ist Klang.

Wenn auf einem Cello auch nur ein einzelner Ton angespielt wird, entsteht ein Klang und ein Gefühl. (Über ein Küchenradio abgespielt, hätte man eher das Gefühl, es sei eine technische Störung gewesen. So einfach kann der Unterschied zwischen HiFi und Nicht-HiFi sein.)

Die Klänge der Musik sind das Können von Instrumentenbauern und Musikern.

Davon etwas zu erkennen, ist ein persönlicher Gewinn. Solche Leistungen anzuerkennen, ein Ausdruck von Wertschätzung. (Nach unserer Meinung ist es anmaßend, "diese klanglichen Kleinigkeiten" für unwichtig zu erklären, nach dem Motto "für das, was die da machen, reicht auch das Autoradio".)

Klänge berühren.


Sogar ganz wörtlich: Das Ohr ist nämlich eigentlich ein Tastorgan (und evolutionär aus einem Tastsinn entstanden). Dass uns Klänge berühren, hat also zunächst einen ganz einfachen Grund: Die Luft ist die mechanische Verbindung zwischen uns und Dingen in unserer Nähe.

Jeder Klang ist ein Ereignis.

Das Auge kann auch das Bild einer stillstehenden Umgebung wie ein Foto abbilden. Für das Ohr ist eine statische Szene dagegen schwarz und stumm, daher auch die Wortverbindung "still-stehend".

Schall entsteht erst dann, wenn sich etwas bewegt oder verändert. Dann bekommen wir blitzschnell die Meldung, dass sich da gerade etwas ereignet hat. (Übrigens mit wesentlich höherer zeitlicher, spektraler und dynamischer Auflösung als es das Auge kann. (Gilt auch für Menschen, die sich rühmen, "klangliche Feinheiten" nicht zu hören.)

Wir wollen keine Gegenstände hören, sondern Abläufe und Ereignisse und wollen wissen, was sich da gerade "abspielt", ob es beachtenswert oder belanglos ist.

Wir wollen kein Klavier hören, sondern seine Aktion und Interaktion mit dem Pianisten. Dabei hören wir ziemlich alles, was in und an dem Flügel schwingt und klingt. Und in diesem großen akustischen Bild erkennen wir viel mehr, als wir von außen sehen können.

Daniel Barenboim kann das viel besser sagen: "Klang ist Leben". Die Klänge der Musik als Abbild der Emotionen und Komplexität des Lebens, mit der wir die Welt vergessen, aber auch besser verstehen können.

Klänge lügen nicht

Ein Geräusch oder Klang erreicht uns auf Hunderten von "Schallkanälen" gleichzeitig von jedem Punkt der klingenden Musikinstrumente. Und auf jedem dieser "Kanäle" ändern sich ständig Stärke, Spektren und Verkopplungen der verschiedenen Schwingungen. Eine solche Signatur sagt sehr genau, was gerade das Ereignis war und wer es verursacht hat.

So ist auch das "Geheimnis der Stradivari" kein Geheimnis, sondern das Wunder von Vielfalt und Komplexität, die sich nicht mehr in Einzelaspekten beschreiben lässt.

Die "Macht der Klänge"?

Die Wirkung von Klängen ist bekannt und so stark, dass sie schon unheimlich erscheinen kann. (Wäre Klang eine materielle Substanz, fiele er unter das Arzneimittelgesetz und wäre Sounding als synthetische Droge verboten.)

Die Klarheit unserer Lautsprecher kann einen Teilaspekt dieser Macht aufklären: Indem wir immer weiter in das akustische Bild "hineinzoomen", erkennen wir immer mehr Details und merken, dass es dort zwar eine enorme Vielfalt und Komplexität, aber keine geheimen Kräfte gibt. So entsteht durch Aufklärung zuerst Respekt vor Komplexität und dann Freude an Überraschungen.

Auch bei Klängen schwindet das Unbehagen vor Unbekanntem, das bei weniger Aufgeklärten oft in Ablehnung endet.

Sound, sweet Sound


W
ie anders ist der Diskurs, wenn es nicht um Klang, sondern um Klangwiedergabe geht:

"Unterschiedlicher als der ( ... ) und der ( ... ) kann sich Klang kaum entfalten. Beide klingen gut, aber eben vollkommen unterschiedlich. Dass beide aus demselben Hause stammen, würde man in einem Blindtest wohl kaum vermuten". (spiegel-online, 27.03.2023).

Die Stiftung Warentest bewertete einmal in einem Vergleichstest alle zwanzig Boxenpaare trotz großer Klangunterschiede mit "gut" und wies darauf hin, dass man sie vor dem Kauf eben selbst anhören und nach persönlichem Geschmack entscheiden solle.

In der Werbung gab es einmal Aussagen in dem Sinn "Wir haben den Sound, der zu ihnen passt".

Bei Geräten im Bereich "High-End" werden die Unterschiede nicht etwa kleiner, sondern eher größer. Würde man die "Fortschritte" und "Klangsensationen", die in den letzten zwanzig Jahren verkündet wurden, aufsummieren, käme eine Zahl zusammen, die etwa zur Auflage der so verkauften Organe passt.

Offenbar ist die Meinung verbreitet, Lautsprecher sollten einen Klang besonders angenehm, effektvoll oder so gestalten, dass er gut zu einer bevorzugten Musikrichtung passe. Der Diskurs in Internetforen und Magazinen bezieht sich dann auf die jeweilige Klanggestaltung, gelegentlich im Stil von Castingshows unter der Moderation von Influenzern.

Dass Klangwahrnehmung subjektiv ist, heißt nicht, die Klänge selbst seien beliebig oder manipulierbar.

Sie nennen es HiFi, vielleicht ist es aber Anpassung an den Geschmack bestimmter Zielgruppen. Das wäre auch nicht zu kritisieren, denn der Kunde soll das bekommen, was er wünscht und über Geschmack ist nicht zu diskutieren.

Vielleicht kamen die besten Geräte aber manchmal von Herstellern, die unter "Zielgruppe" nicht eine Gruppe verstehen auf die man zielt, sondern die Gruppe, mit der man ein gemeinsames Ziel hat. Selbst dann, wenn diese Gruppe nur eine Minderheit ist.

HiFi mag wie Hochkultur und Aufklärung nur das Anliegen einer Minderheit sein. Aber jeder Mensch ist eine Minderheit und die Ergebnisse nutzen später auch denjenigen, die mehr Ansprüche stellen als Anspruch zu haben.

Lautsprecherklang, anders betrachtet.

Wenn wir einen Lautsprecher hören, dann hören wir eigentlich zwei verschiedene Schallquellen gleichzeitig. Wir hören also nicht zu wenig, sondern zu viel:

Wir hören klar und sauber ein Cello und gleichzeitig ebenso eindeutig eine Box.

Erkennen wollen wir aber eindeutig, was da tönt und nicht zwei Klangquellen, die sich pausenlos streiten, wer die richtige sei.

Zur Klärung gibt es zwei Möglichkeiten:

Man kann in den Sound-Baukasten greifen und eine Box komponieren, die noch besser klingt als ein Cello. (Box gewinnt.)

Oder man kann den Eigenklang der Box so weit verkleinern, dass fast nichts mehr von ihm übrig ist. (Cello gewinnt.)

Wir gehen den zweiten Weg.

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